Archiv für Studiengebühren

Studiengebühren? Abschaffen!! – Aber warum eigentlich?

Posted in AKTUELLES, TERMINE with tags on Januar 3, 2013 by solidweissenburg
Studiengebühren abschaffen. Denn eine sozial gerechte und selbstbestimmte Bildung ist notwendig. Auch in Bayern.

Der  Freistaat Bayern gehört mit Niedersachsen zu den letzten zwei Bundesländern, die von ihren Studierenden Semester um Semester Geld  verlangen, damit diese an den Hochschulen immatrikuliert bleiben dürfen. Diese Studiengebühren sind Ausdruck der bestehenden sozialen Ungleichheit im bayerischen Bildungssystem und stehen einer demokratischen und selbstbestimmten Bildung jenseits des persönlichen finanziellen Hintergrunds im Weg. Wir von der Linksjugend [’solid] Bayern fordern deswegen die unverzügliche Abschaffung der Studiengebühren als einen notwendigen  Schritt für ein gerechtes und emanzipatorisches Bildungssystem.

Weil die Landesregierung aber von sich aus nicht bereit ist, die Misere der Studiengebühren zu beenden, müssen wir Bürger*innen die Sache selbst in die Hand nehmen. Wir rufen dich und alle anderen deswegen dazu auf, das Bündnis für ein Volksbegehren gegen Studiengebühren zu unterstützen.

Gib vom 17. bis 30. Januar 2013 deine Ja-Stimme für das Volksbegehren „Ja zur Bildung – Nein zu Studiengebühren!“. Die Listen dazu liegen in dieser Zeit in deinem Rathaus aus.

… immer nur dagegen? Oder habt ihr auch Argumente?
  • Na klar haben wir die! Diese hier zum Beispiel:
  • Studiengebühren sind unsozial.  Sie erschweren Menschen aus einkommensschwächeren oder sozial ausgegrenzten Schichten (z.B. Migrant*innen) den Zugang zu höherer Bildung. Menschen mit reichen Eltern oder solchen, die bereits zur Bildungselite zählen und deswegen eher bereit sind, das Geld für Studiengebühren aufzubringen, werden dadurch bevorzugt. Damit erhalten die Studiengebühren die soziale Selektion im bayerischen Bildungssystem aufrecht und verschärfen sie sogar.
  • Studiengebühren sind undemokratisch.  Die Entscheidung, was mit den Studiengebühren gemacht wird, liegt nicht  bei den Studierenden, sondern wird von der Fakultätsleitung bestimmt. Die Studierenden haben also kaum Mitspracherecht bei der Entscheidung über die genaue Verwendung.
  • Studiengebühren leisten Elitendenken Vorschub. Durch Studiengebühren schottet sich eine kleine Bildungselite vom Rest der Gesellschaft ab.
  • Durch Studiengebühren wird unsere Bildung zur Ware. Der Staat stiehlt sich mit den Studiengebühren aus seiner Verantwortung, eine gute und umfassende Bildung für alle Teile der Bevölkerung zu garantieren. Diese Nische wird immer mehr durch Partnerschaften der Uni mit verschiedensten Unternehmen ausgefüllt, die durch ihre Geldmittel auch mitbestimmen können, was und für wen geforscht wird.
  • Studiengebühren stehen einer selbstbestimmten Bildung im Weg. Durch die Studiengebühren wird auf die Studierenden der Druck erzeugt, möglichst schnell mit ihrem Studium fertig zu werden. Dadurch kommt es zu weiterem Leistungsdruck und einer Verschulung der Lehrpläne.
  • Last but not least: Studiengebühren haben überhaupt keinen praktischen Nutzen. Durch Studiengebühren wird das Bildungsangebot an den meisten Universitäten und Fakultäten überhaupt nicht verbessert. Oftmals werden für die Bildung  vollkommen unnütze Dinge wie Callcenter angeschafft oder die Gelder werden gar nicht ausgegeben und stapeln sich in Millionenhöhe. Diese Tatsache hat sogar der hartnäckige Studiengebührenbefürworter, der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) in einem Brief an die Universitätsleitungen zugegeben. Fast alle Bundesländer, die einmal Studiengebühren erhoben haben, haben dies mittlerweile auch eingesehen. Nur Bayern hinkt wieder einmal hinterher.

… wird durch die Abschaffung der Studiengebühren die Ungerechtigkeit im Bildungssystem beseitigt?

Nein, das nicht. Das bayerische Bildungssystem bleibt auch ohne Studiengebühren ungerecht genug. Im mehrgliedrigen Schulsystem werden die Schüler*innen schon von Anfang an sortiert. Gymnasien, Hochschulen und Universitäten werden vom Staat gegenüber anderen Bildungseinrichtungen besonders gefördert, während Schüler*innen in der Hauptschule und in sozial benachteiligten Gebieten von vornherein abgeschoben und ihrer Chancen beraubt werden. Studien zeigen außerdem, dass Lehrer*innen in der Betreuung der Schüler*innen nach Kriterien wie sozialer Herkunft, Migrationshintergrund, Geschlecht etc. starke Unterschiede machen. Die Abschaffung der Studiengebühren kann von daher nur der Anfang für ein soziales und selbstbestimmtes Bildungssystem sein. Aber es ist ein Anfang und ein wichtiger Schritt, um dieses Ziel zu erreichen.

… aber „Studiengebühren abschaffen“ – heißt das nicht, dass dann die Nichtstudierenden für die Privilegien der Bildungselite zahlen müssen?

Jein. Ohne Studiengebühren müssten die Universitäten verstärkt über die Steuern finanziert werden. Somit ist eine staatliche Studienfinanzierung immer nur so sozial, wie es das geltende Steuersystem ist. Und seit Jahrzehnten bauen die Regierungen die soziale Umverteilung von oben nach unten ab, entlasten Reiche und Unternehmen und die sozial Schwächeren müssen die Kosten tragen. Dieses Problem kann aber nur über ein gerechteres Steuersystem gelöst werden, so wie wir und die Partei DIE LINKE es schon seit Jahren fordern.

Studiengebühren sperren aber die sozial Schwächeren grundsätzlich von der Möglichkeit höherer Bildung aus. Diese Ungerechtigkeit ließe sich auch nicht durch ein sozialeres Steuersystem beheben. Wir finden deswegen, dass  Studiengebühren unbedingt abgeschafft gehören. Denn auch die größten Steuererleichterungen helfen nicht, wenn ein Teil der Gesellschaft von  vornherein vom Genuss einer höheren Bildung ausgeschlossen wird.

… okay, Studiengebühren finde ich auch blöd, aber was kann ich tun?

Gib dein „Ja“ zur Initiierung eines Volksbegehren gegen die Studiengebühren! Wir benötigen insgesamt 930.000 Unterschriften in Bayern. Die Unterschriften für das Volksbegehren werden vom 17. bis zum 30. Januar 2013 gesammelt. Die Unterschriftenlisten findest du in dieser Zeit im Rathaus deiner Gemeinde.

Sag allen, die du kennst, Bescheid, dass sie auch für das Volksbegehren stimmen sollen. Verteile diesen Flyer weiter.

Informiere dich und bestelle weiteres Material. Von uns, von der Partei DIE LINKE, von unseren SDS-Hochschulgruppen oder vom Bündnis gegen die Studiengebühren.

 … wo kann ich mich sonst informieren?

auf der Seite des Bündnisses: www.volksbegehren-studiengebuehren.de

Quelle:  www.linksjugend-solid-bayern.de

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Abschaffung der Studiengebühren ist nur ein Anfang

Posted in AKTUELLES with tags , on Oktober 28, 2012 by solidweissenburg

Die in Bayern weiterhin erhobenen Studiengebühren für den Hochschulzugang befördern soziale Selektion und Ausgrenzung im bayerischen Bildungssystem. Der Schritt zu ihrer Abschaffung ist von daher längst überfällig. Der Landessprecher*innenrat der bayerischen Linksjugend [’solid] begrüßt die Zulassung des Volksbegehrens zur Abschaffung der Studiengebühren ausdrücklich. Um in Bayern ein wirklich demokratisches und sozial gerechtes Bildungssystem zu erreichen, liegt allerdings noch ein weiter Weg vor uns.

Der Freistaat Bayern gehört mit Niedersachsen zu den letzten zwei Bundesländern, die von ihren Studierenden Semester um Semester Geld verlangen, damit diese an den Hochschulen immatrikuliert bleiben dürfen. Die Studienbedingungen werden durch die sogenannten Semesterbeiträge in den meisten Fällen nicht verbessert. Vor einiger Zeit wurde ein internes Papier des bayerischen Wissenschaftsministeriums bekannt, in dem Wissenschaftsminister Heubisch die Hochschulen aufforderte, endlich die durch die Studiengebühren eingenommenen Gelder auszugeben, da sie sich zu Millionen auf den Konten der Hochschulen stapeln würden. Dieses Statement von Seiten der Urheber kommt für uns einer Bankrotterklärung des Studiengebührensystems gleich: Die Studiengebühren erreichen nicht einmal das bei der Einführung angestrebte Minimalziel, die Hochschulen sinnvoll mit benötigten Geldern auszustatten.

Die Abschaffung von Studiengebühren wäre, auch wenn wir sie begrüßen, nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Das Bildungssystem in Bayern betreibt nämlich auch ohne Studiengebühren soziale Auslese auf hohem Niveau. Viele schaffen es nämlich gar nicht so weit, die Hochschulreife zu erwerben. Ausschlaggebender Punkt hierfür ist der Geldbeutel der Eltern. Wir kämpfen aber für ein Bildungssystem, in dem die individuellen Fähigkeiten und Bedürfnisse der Schüler*innen im Mittelpunkt stehen und nicht deren soziale Herkunft. Deswegen fordern wir die Einführung eines G10. Damit meinen wir nicht eine Verlängerung des Gymnasiums um 2 Jahre, sondern die Einführung einer verpflichtenden Gesamtschule bis zum 10. Schuljahr mit modularisierten Unterrichtsfächern, die den persönlichen Fähigkeiten der Schüler*innen gerecht werden. Der Hochschulzugang sollte sich anhand dieser individuellen Fähigkeiten richten, und nicht nach der simplen Tatsache, einen gesonderten Schulweg in sämtlichen Fächern abgeschlossen zu haben.

Ein weiteres gravierendes Defizit der öffentlichen Schulen und Hochschulen ist die fehlende Mitbestimmung von SchülerInnen und Studierenden. Gerade die Universität, aber auch die Schule ist ein Musterbeispiel für öffentlichen Raum. Öffentlicher Raum muss aber von allen, die ihn auch nutzen mitgestaltet werden können. Deshalb sollte SMV keine leere Worthülsen, sondern eine echte Schülermitverwaltung sein. Außerdem muss die Verfasste Studierendenschaft in Bayern unverzüglich eingeführt werden.“

Die Linksjugend [’solid] Bayern unterstützt das Volksbegehren gegen Studiengebühren. Denn gerade Studierende aus einkommensschwachen Familien werden dadurch extrem entlastet. „Bildung ist und soll Aufgabe des Staates bleiben. Wenn die Landesregierung meint, die Unis wären unterfinanziert, dann ist für uns die logische Folge davon, mehr in die staatlichen Bildungseinrichtungen zu investieren. Investitionen in Bildung sind immer nachhaltige Investionen.“