Hungern für rechtsstaatliche Prinzipien und Wahrung der universellen Menschenrechte

Weißenburg – „Schluß mit dem Massaker in Kurdistan. Wir verlangen die Einhaltung von rechtsstaatlichen Prinzipien und die Wahrung der universellen Menschenrechte“, liest Aligül Yildiz mit fester Stimme und begrüßt die anwesenden Aktivisten und Unterstützer.

Er ist der Co-Vorsitzende der Kurdisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft mit Sitz in Weißenburg. Hinter ihm sitzen mehrere Menschen auf dem Boden des Versammlungsraums in der Gunzenhausener Straße. Türken und Kurden, Aleviten und Sunniten. Vereint machen sie sich Sorgen wegen den anhaltenden Repressionen der türkischen Regierung gegen die eigene Bevölkerung. Und sogar zwei deutsche Jugendliche der sozialistischen Linksjugend haben sich aus Solidarität einem dreitägigen Hungerstreik in der mittelfränkischen Provinz angeschlossen.

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Um ihrem Wunsch nach Demokratie und Frieden Nachdruck zu verleihen, sind die Frauen und Männer an diesem Freitag in einen Hungerstreik getreten. Drei Tage lang essen sie nichts und trinken nur das Nötigste. Sie wollen sich mit ihrer Aktion solidarisch zeigen mit dem seit dem 15. Februar andauernden Hungerstreik von mittlerweile 216 politischen Gefangenen in sechs türkischen Hochsicherheitsgefängnissen.

Der Protest richtet sich gegen die türkische Regierung. Sie töte im Südosten der Türkei beim Kampf gegen die kurdische Freiheitsbewegung auch Zivilisten, so der Vorwurf. An den Wänden des Vereins hängen die Farben von Kurdistan. Ein geografisches Gebiet auf den Staatsgebieten der Türkei, Irak, Syrien und dem Iran. „Hungerstreik – Freiheit für die politischen Gefangenen!“ steht auf den T-Shirts der Streikenden.

„Über 10.000 Mörder, Vergewaltiger und Diebe wurden durch eine Amnestie auf freien Fuß gesetzt. Ihre Plätze in den Gefängnissen wurden durch Demokraten und Oppositionelle, Journalisten sowie Bürgermeister und Abgeordnete eingenommen“, erklärt eine der streikenden Frauen, die lieber anonym bleiben möchte. Der Protest richtet sich nicht nur gegen den amtierenden türkischen Präsidenten Recep Erdogan, sondern auch gegen die Europäische Union. „Es wird zu wenig getan“, kritisiert Söysüren, arabischstämmige Co-Vorsitzende der Kurdisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft. Der Linken-Stadt- und Kreistag Erkan Dinar sitzt mit auf dem Boden und erklärt sich ausdrücklich solidarisch mit der Aktion.

Die Weißenburger sind mit ihrem Protest nicht allein. Am Wochenende haben Aktivisten in ganz Europa mit Hungerstreiks begonnen. Es gibt eine Art Livestream auf der vereinseigenen Seite.

Die Protestierenden wollen konkret die Verbesserung der Haftbedingungen, Beendigung der anhaltenden Festnahmen und Verhaftungen aufgrund von Meinungsäußerung und politischer Arbeit, Beendigung der militärischen und politischen Repressionen gegenüber der Bevölkerung, Beendigung der Isolationshaft gegenüber Abdullah Öcalan, dem politische Führer der kurdischen Freiheitsbewegung und eine sofortige Untersuchung aller Vorfälle durch das Europäische Komitee zur Verhinderung der Folter (CPT).

Das sei auch für Deutschland wichtig, betont Söysüren: „Wenn der Krieg weitergeführt wird, werden auch die Kurden nach Europa wandern.“ Sie warnt davor, dass die Zahl der Flüchtlinge dann noch einmal deutlich zunehmen werde.

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