Die GEW zu den Anwerbeversuchen der Bundeswehr an Schulen

Der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte schon vor anderthalb Jahren die „mittlerweile übliche Praxis, dass Vertreter der Bundeswehr regelmäßig an deutschen Schulen zu Gast sind“, kritisiert. Die Bundeswehr hat im letzten Jahr versucht, ihren Einfluss auf die Schulen weiter zu erhöhen, schreibt die GEW in einer von Harald Morawietz unterzeichneten Presseerklärung. Jugendoffiziere erreichten über 140.000 Schüler, sogenannte Karriereberater mehr als 250.000 Jugendliche.

„Unbestritten“, schreiben die Gewerkschafter, „ist es das formale Recht einer Lehrkraft, Bundeswehroffiziere und Karriereberater in den Unterricht einzuladen. Auch Bayern hat eine Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr. Doch fragt die GEW, welche „Karriere“ man als Bundeswehrsoldat in Afghanistan, in Mali oder einem anderen Krisengebiet machen könne? Vom Grauen des Krieges traumatisierte Soldaten gebe es mittlerweile auch in der BRD etliche.

Angesichts der Aussetzung der Wehrpflicht zum 1. Juli 2011 nehme die Bedeutung der Schulen für die Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr weiter zu. Die Gewerkschafter lehnen es kategorisch ab, blutjungen Menschen den Soldatenberuf schmackhaft zu machen. Dabei wirbt die Bundeswehr, so die GEW, mit vielschichtigen, flexiblen, individuell zugeschnittenen Aus-, Fort- und Weiterbildungsprogrammen, damit Fähigkeiten erlernt werden, die sie für ihre Kriegseinsätze braucht. Entsprechend wirbt sie auf zielgruppengerechten Internetseiten, so auch bei YouTube. Selbst auf der Online-Seite der „Bravo“ warb die Bundeswehr 2012 für sich.

Zu den Aufgaben von Jugendoffizieren, unter ihnen zunehmend Frauen, gehört es u. a., in Schulen über den Alltag in der Truppe zu erzählen, die Auslandseinsätze und, in dem Zusammenhang, „Sicherheitspolitische Herausforderungen des 21. Jahrhunderts“ zu erläutern. Den Schülern solle vermittelt werden, dass die Bundeswehr einen weltweiten Friedensauftrag im Sinne der Stabilisierung von Krisengebieten erfülle und somit humanitär wirke. Über die jeweiligen wahren Absichten werde freilich geschwiegen, konstatiert die GEW. Wenn die Bundeswehr jetzt in Mali mit im Einsatz ist, dann diene sie mittelbar auch den ökonomischen Interessen Frankreichs.

Dieser und andere Sachverhalte wie die komplexe politische, gesellschaftliche, ethnisch-soziale Lage in Mali müssten im Unterricht aufgezeigt werden. Schüler würden dann sehr schnell erkennen, dieses Land nicht auf ein „Problem des islamistischen Terrorismus“ reduzieren zu dürfen, und es würde deutlich werden, dass militärischer Einsatz, ergo Krieg, die vielschichtige Problematik nicht lösen kann, betonen die Gewerkschafter. Menschliches Leid werde durch Gegengewalt nicht verringert. Das generell zu erkennen, sei ein wesentliches Lernziel sozialkundlichen Unterrichts.

Aufgabe von Schule ist es vorrangig, im Sinne humanistischer Werte und aufgeklärten Denkens miterziehend zu wirken, schreibt die GEW. Somit sollen Schüler zu demokratischem Handeln, Kritikfähigkeit, Gewaltfreiheit und Toleranz befähigt werden. Aufgabe einer regulären Armee hingegen ist es, im offiziellen Auftrag ihrer jeweiligen Regierung in letzter Konsequenz zu töten. Dies seien zwei diametral entgegengesetzte Aufträge. So hat nach Auffassung der GEW die Bundeswehr an Schulen nichts zu suchen.

Quelle: Pressmitteilung des Kreisverbands Weißenburg-Gunzenhausen der GEW vom 10.04.13

 

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