Das Feiertagsgesetz Schachmatt setzen!

Wegen dem Protest der Kirchen werden die Mittelfränkischen Schachmeisterschaften in Weißenburg nur bis Gründonnerstag dauern. Wir sind der Ansicht das Versammlungsrecht ist ein hohes Gut der Demokratie und steht über dem Feiertagsgesetz. Dies am Karfreitag nicht zuzulassen ist eine Nichtrespektierung der Bedürfnisse von Nichtchristen sowie Schachbegeisterten. Von einer toleranten Kirche erwarten wir mehr. Schach hat nichts mit Krach und Remmidemmi zu tun.

Auch wir sind für einen einkaufsfreien Sonntag, aber nicht wegen irgendwelchen Glaubensdogmen, sondern aus arbeitsrechtlichen Gründen zum Schutz der Kolleginnen und Kollegen. Dies bedeutet allerdings auch konkret nicht alle Aktivitäten an Feiertagen über einen Kamm zu scheren. An Feiertagen sollte für die Menschen die Entspannung, aber auch die freie Wahl der eigenen Freizeitgestaltung im Mittelpunkt stehen dürfen. Bei den christlichen Kirchen scheint es beim Ersteren stehen zu bleiben.

Wir stehen für eine klare Trennung von Staat und Kirche ein. Der Glauben ist eine Privatsache. Dies bedeutet beidseitige Grenzen zwischen den Anliegen zweier von vielen Glaubensgemeinschaften in Deutschland zu akzeptieren, aber auch seitens der Glaubensgemeinschaften den öffentlichen Frieden zu den Bedürfnissen und Anliegen von beispielsweise Schachbegeisterten zu tolerieren.

Mit der Kundgebung soll auch auf die klare Verfehlung seitens der Stadtverwaltung mit OB Schröppel an Ihrer Spitze verwiesen werden. Ohne eine demokratische Diskussion und Abstimmung mit den politischen Kräften in Weißenburg wurde die Entscheidung getroffen die Mittelfränkischen Schachmeisterschaften einzuschränken. Als Messlatte wurde die Zustimmung der Kirchen zugelassen. Wir wollen wissen wieso ein sozialdemokratischer Oberbürgermeister entgegen dem Geist der Vernunft und Aufklärung den kirchlichen Institutionen soviel Macht zugesteht?

Wir rufen also auf mit Schachbrettern, Schachfiguren und Schachspieler/innen gegen diesen Affront der christlichen Kirchen sowie der Stadtverwaltung ein Zeichen zu setzen.

Wir hoffen auf die Respektierung dieses Anliegens durch die Kirchen und setzen auf Stille und Konzentration bei einer guten Partie Schach. Wir sind uns sicher Gottesdienst sowie Schach werden problemlos ungestört am gleichen Tag nebeneinander durchführbar sein.

Kommt also am Karfreitag, von 15.00 – 17.00 Uhr, auf den Martin-Luther-Platz in Weißenburg und setzt uns Schachmatt!

[’solid] – die sozialistische Jugend Weißenburg, DIE LINKE Kreisverband Weißenburg-Gunzenhausen/Ansbach, Netzwerk Linker AktivistInnen, Deutscher Freidenker Verband Nürnberg

Update 03.04.12 – unsere Kundgebung wird genehmigt!

Link zum Artikel: „Schachern um die Karfreitagsruhe“

Link zum Artikel: „Das Turnier hat begonnen – der Protest geht weiter“

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2 Antworten to “Das Feiertagsgesetz Schachmatt setzen!”

    • Anbei eine Pressemitteilung der Regionalgruppe Mittelfranken des Förderkreises der Giordano-Bruno-Stiftung.

      Zug um Zug weiter ins Abseits

      Christliche Kirchen schränken die Austragung der mittelfränkischen Schachmeisterschaften in Weißenburg ein – Die Giordano Bruno Stiftung ruft zum Austritt auf!

      Weißenburg – Zug um Zug begeben sich die beiden christlichen Kirchen weiter ins gesellschaftliche Abseits. Mit ihrer Einschränkung der mittelfränkischen Schachmeisterschaft in Weißenburg zeigen die evangelische und katholische Kirche deutlich, wie weit sie sich inzwischen von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt haben. Sie sitzen im Loch und graben munter weiter. Die Giordano Bruno Stiftung Mittelfranken ruft mit ihrer Aktion „Austritt zum Hasenfest – kollektiver Kirchenaustritt Ostern 2012“ dazu auf die persönlichen Konsequenzen zu ziehen.

      Was war passiert? Die seit 1953 stattfindenden Schachmeisterschaften werden vom 2. bis zum 5. April zum zweiten Mal in Weißenburg ausgetragen werden. Eigentlich sollte auch am Karfreitag noch gespielt werden. Um einer erneuten Konfrontation mit den Kirchen aus dem Weg zu gehen, ließ der örtliche Bürgermeister Herr Schröppel die örtlichen Honoratioren über die Austragung des Schachkongresses entscheiden. Der katholische Dekan Konrad Bayerle und der evangelische Pfarrer Gerd Schamberger befanden einhellig, dass Schach und Ostern nicht zusammenpassen und verweigerten ihre Zustimmung. Damit darf am Karfreitag kein Schach gespielt werden. Das Turnier ist wegen des daraus resultierenden Boykotts vieler Schachmeister ein Desaster, das Weißenburger Tagblatt berichtete.

      Die vielen großen und kleinen Skandale der beiden großen Glaubensgemeinschaften, wie die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Einrichtungen, sexueller Missbrauch durch Geistliche, offene und latente Homophobie und Veruntreuung von Geldern, sind hinlänglich bekannt und bescheren den Kirchen seit Jahren sinkende Mitgliederzahlen und Proteste von Seiten der Zivilgesellschaft. Die Entscheidung für einen schachfreien Karfreitag führt die beiden Amtskirchen dabei weiter Zug um Zug ins Abseits.

      Immer noch lassen sich viele Bürger von der Kirche ohne Murren an Karfreitag das Tanzen verbieten. Das Schachverbot allerdings können die wenigsten nachvollziehen. Viele dachten bislang: Ein oder zweimal im Jahr nicht tanzen, das ist kein Opfer, dafür lohnt sich kein Aufstand. Jetzt aber können alle sehen, dass es den Kirchen nicht ums Tanzen geht. So gesehen ist das Schachverbot ein Glücksfall. Mit keiner anderen Maßnahme hätten die Kirchen ihren Anspruch auf kulturelle Hegemonie deutlicher machen können. Beim „stillen“ Feiertag geht es nicht um Ruhe aus Toleranz für die religiösen Gefühle der anderen. Denn niemand fühlt sich wohl durch Lärm belästigter als Schachspieler.

      Hier geht es darum, christliche Pflöcke in die Kulturlandschaft zu rammen. Alle haben um den Heiland zu trauern, auch diejenigen, die den Mythos inzwischen nicht mehr ernst nehmen. Es gilt immer noch die Anmaßung von Papst Leo XIII vom 10.1.1890: „Nach göttlichem Recht gebühre es der Kirche und in der Kirche dem Römischen Bischof, in beiden Ordnungen (der bürgerlichen und der kirchlichen) zu bestimmen, was zu glauben und was zu tun sei.“

      Dieses Mal haben sich Dekan Bayerle und Pfarrer Schamberger also einen wirklichen Bärendienst geleistet. Mit ihrer kleinlichen Haltung sind sie gleichzeitig Spielverderber für eine Reihe begeisterter Schachspieler und die größten Förderer von Kampagnen wie „Austritt zum Hasenfest – kollektiver Kirchenaustritt Ostern 2012“ der Giordano Bruno Stiftung. Aber auch viele Christen lassen sich nicht mehr so einfach vorschreiben, „was zu tun sei“. Auch für sie ein guter Anlass, intensiver darüber nachzudenken, ob sie sich weiter vorschreiben lassen wollen, „was zu glauben sei“.

      Damit steht auch das Thema „stille Tage“ wieder auf der politischen und medialen Agenda. Die Meldung macht bereits bei Twitter und Facebook die Runde, Kommentare bei Zeitungen quellen über. Die längst überfällige Streichung der entsprechenden Paragraphen aus den Gesetzbüchern rückt damit Zug um Zug ein Stückchen näher.

      Die Giordano-Bruno-Stiftung steht für die Werte von Humanismus und Aufklärung ein und meldet sich immer dann zu Wort, wenn gegen diese Werte eklatant verstoßen wird.

      Kontakt
      E-Mail: gbs.erlangen@googlemail.com
      Website: http://gbs-erlangen.blogspot.de/

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