Nazis hatten in Weißenburg keine Chance

Für vergangenen Samstag, 10.03.12 meldete die Jugendorganisation der neofaschistischen NPD eine Kundgebung am Weißenburger Marktplatz an. Die Anmeldung der Nazis erfolgte wohl schon am Mittwoch zuvor. Erst am Freitag wurde auch das Landkreisbündnis gegen Rechts Weißenburg-Gunzenhausen über die Anmeldung der Jungen Nationaldemokraten (JN) informiert und meldete als Reaktion darauf sofort eine Gegenkundgebung, auf der Südseite des Marktplatzes, unter dem Motto „Nazis raus aus unserer Stadt!“ an. Alle verfügbaren Netzwerke wurden schnellstmöglich aktiviert. Die Mobilisierung von Gegenkräften war vollends erfolgreich, versammelten sich gegen 10.30 Uhr am Samstag morgen bereits über 300 Menschen, um sich der braunen Propaganda in den Weg zu stellen. Die Nazis ließen jedoch lange auf sich warten, wurde doch die neonazistische Kundgebung für den Zeitraum von 11.00 – 19.00 Uhr angemeldet.

Gegen 14.30 Uhr betrat dann eine Gruppe von knapp 30 Nazis die Nordseite des Weißenburger Marktplatzes, woraufhin sie von drei Seiten mit einem ohrenbetäubenden Pfeifkonzert von vielen hundert NazigegnerInnen in Empfang genommen wurden. Die Faschisten hatten gehofft, aufgrund ihrer kurzfristigen Anmeldung und dem späten Beginn, auf wenige GegendemonstrantInnen zu treffen. Gegen das gut organisierte Landkreisbündnis, mit seinen zahlreichen BündnispartnerInnen und überregionalen Kontakten, hatten sie jedoch keinerlei Chance.

Sven Diem (links) mit Marcel Maderer

Sven Diem (links) mit Marcel Maderer

Unter den auf dem Marktplatz aufgelaufenen Nazis befanden sich unter anderem Sven Diem, „Stützpunktleiter“ JN Franken/ Oberpfalz und Aktivist der Division Franken aus Roth, Jens Rüttiger, ebenfalls Division Franken aus Hohenroth und Ralf Ollert, Stadtrat der rassistischen Bürgerinitiative Ausländerstopp (BIA) und Landesvorsitzender der NPD aus Nürnberg. Angemeldet hatte das Fascho-Treffen Marcel Maderer aus Forchheim. Außerdem beteiligten sich wie erwartet Aktivisten einer Weißenburger neonazistischen Kameradschaft an der Kundgebung. Die Weißenburger Nazis trugen schwarze Fahnen mit sich, auf denen in altdeutscher Schrift Weißenburg zu lesen war, außerdem wurden mehrere Reichsflaggen und zwei Transparente gezeigt.

Roman S. (vorne) aus Pleinfeld

Die Neonazis mussten ihre Kundgebung mehrmals wegen des immensen Lärmpensum unterbrechen, diesem waren sie während ihrer gesamten Kundgebung ausgesetzt. Der Versuch die Lautstärke des mitgebrachten Lautsprechers zu erhöhen scheiterte kläglich. Die Faschisten standen schließlich vor dem „Problem“, ihre eigenen Redebeiträge nicht zu verstehen. Sie beschwerten sich bei der Polizei über die lauten Proteste und kündigten zudem an, gegen den Anmelder der Gegenkundgebung Anzeige erstatten zu wollen.

Nazis versuchen GegendemonstrantInnen anzugreifen

Nazis versuchen GegendemonstrantInnen anzugreifen

Als der Pleinfelder FN-WUG-Aktivist und Anti-Anitfa Fotograf Roman S. ans Mikro trat und die Losung „Kameraden an die Front!“ ausgab, stürmten alle Nazis, wie wohl bereits im Vorfeld verabredet, zu den GegendemonstrantInnen. Insgesamt versuchten die Faschisten drei mal organisiert die protestierenden AntifaschistInnen anzugreifen. Die Polizei musste sie jedes mal wieder zurückdrängen. Spätestens jetzt hätte die Versammlung der Nazis aufgelöst gehört! Journalisten und Fotografen wurden zudem immer wieder bei ihrer Arbeit massiv behindert und bedrängt. Ein Sprecher des Landkreisbündnis wurde von einem Aktivisten der neonazistischen FN-WUG mit dem Tode bedroht.

Vorne in rot Martin B. (Weißenburg) daneben mit Fahne Josi W. (Treuchtlingen)

Vor allem auswärtige PolizistInnen, insbesondere das Unterstützungskommando (USK), ging repressiv und mehrmals brutal gegen einzelne AntifaschistInnen vor. Die vier, laut Pressestelle der Polizei Mittelfranken, kurzzeitig in Haft genommenen NazigegnerInnen waren alle bis zum Abend wieder frei. Sie wurden teils Erkennungsdienstlich behandelt. Von den gewalttätigen NeofaschistInnen, die wiederholt DemonstrantInnen angriffen und oftmals komplett vermummt auftraten, wurde niemand festgenommen. Hingegen wurden GenossInnen, trotz den Anti-Antifa Aktivitäten von Roman S. und Martin B. (Weißenburg), mehrmals dazu gedrängt sich zu entmummen. Beide Neofaschisten fotografierten mehrmals provokativ aus wenigen Metern Entfernung.

Die Nazi-Kundgebung - ganz links steht Ralf Ollert

Gegen 18.00 Uhr beendeten die Nazis ihre desaströse Versammlung und zogen, nachdem sie sich wie Zirkusclowns verbeugt hatten, wieder ab. Gegen 20.30 Uhr trafen sich die Nazis in Treuchtlingen erneut, um dort eine Spontandemonstration mit Fackeln durchzuführen. Diese wurde mit dem lautstarken Protest in Weißenburg begründet. Ob der „Spontane-Charakter“ der Demonstration wirklich erfüllt war, darf getrost bezweifelt werden – die JN hat bereits am Freitag auf ihrer Facebook-Seite verkündet mit Fackeln anzureisen. Wir gehen also davon aus, dass von Beginn an eine Spontandemo mit eingeplant war. Die Neonazis zogen mit Reichsflaggen und neonazistische Parolen brüllend an einer Schule vorbei, dabei wurde wie in Weißenburg das Transparent „Wir sind keine Terroristen“ gezeigt.

Der Protest in Weißenburg kann als ein voller Erfolg betrachtet werden, aufgrund der lautstarken Gegenproteste vieler hunderter AntifaschistInnen, hatten Nazis nicht den Hauch einer Chance.

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Kundgebung bei den Nazis zum internen Streit geführt hat. So tauchte folgender Kommentar auf einer Nazi-Seite auf:

„(…)alles hat irgendwann eine Grenze. Wenn Kameraden so verheizt werden wie in Weißenburg. Wenn Sven nicht mehr weiß, wo ihm der Kopf steht, dann hat der NPD-Landesvorsitzende seine Erfahrung in die Wagschale zu werfen und muss eingreifen. Alles andere ist schäbiges, kameradenfeindliches Agieren. Dass der Lärmpegel nach der kurzen Pause gesunken sei, kannst du nur vom Hörensagen durch einen Falschinformanten wissen. Wo warst du denn dann überhaupt. Kaum haben wir wieder angefangen war der Lärm so laut, dass man fast sein eigenes Wort nicht verstanden hat (…) Und das Hampelmännchen Sven wird bald nicht mehr MEIN Stützpunktleiter sein, weil ich auf ihn und den dämlichen Ollert keinen Bock mehr hab. Und, das kann ich dir auch versichern, da bin ich nicht der einzigste (…) Wie sollen wir denn jemals Erfolge feiern und besser werden, wenn wir jedesmal unsere Niederlagen als Erfolg glorifizieren? (…)“

Der vergangene Samstag wurde für die Faschisten zum Desaster, unser engagierter antifaschistischer Widerstand war erfolgreich!

Es gibt kein Recht auf Nazipropaganda! Weder in Weißenburg noch anderswo!

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